Akzeptanz- und Change-Management-Konzept für die Einführung von IT-Systemen

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Die Einführung von neuen IT-Systemen stellt für Unternehmen eine große Herausforderung dar. Geschäftsprozesse sowie neue Software und Hardware müssen angepasst oder implementiert werden. Im Mittelpunkt solcher Wandlungsprojekte stehen die betroffenen Mitarbeiter. Für sie stellen sich häufig Aufgaben- sowie Rollenveränderungen ein. Die Akzeptanz und die Nutzung des neuen Systems durch die Mitarbeiter entscheiden über Erfolg oder Misserfolg des Verbesserungsprojekts. Weigern sich Mitarbeiter mit den neuen Systemen zu arbeiten, scheitert das Projekt.

Change Management ist eine Methode, welche die Konzeption und Realisierung von Veränderungsvorhaben in einem Unternehmen unterstützt und einen erfolgreichen Wandel herbeiführt.

Ein Phänomen, das häufig bei Veränderungen anzutreffen ist, ist eine für den Mitarbeiter als bedrohlich empfundene Wirkung. Je stärker die Mitarbeiter selber vom Wandel betroffen sind, desto größer kann der Widerstand sein [1]. Verzichtet ein Unternehmen auf Change Management so wird von bis zu 25% Produktivitätsverlust berichtet [2]. Dieser entsteht vor allem durch ineffizientes Arbeiten der Mitarbeiter auf Grund von fehlenden sowie unzureichenden Informationen über den Veränderungsprozess oder durch bewusstes Agieren gegen die Veränderung.

Ziel ist die Schaffung einer breiten Akzeptanz im Unternehmen und die Minimierung von Reibungsverlusten bei der Implementierung von IT-Systemen. Dies wurde bisher in der Literatur unzureichend betrachtet, da bei der Einführung von IT-Systemen von einem Nutzungszwang der Mitarbeiter ausgegangen wird. Dieser Beitrag beleuchtet den Akzeptanzbildungsprozess bei der Einführung von neuen IT-Systemen im Rahmen des Change Managements auf Führungs- sowie Mitarbeiterebene und erstellt hierfür ein geeignetes Konzept.


State of the Art

Die Popularität und die Anzahl an Veröffentlichungen in der Change-Management-Literatur steigen seit dem Jahr 1980 kontinuierlich an [3], [4]. Der Grund hierfür ist der ständige Wandel, dem Unternehmen permanent ausgesetzt sind. Vor allem revolutionäre Entwicklungen auf dem Gebiet der IT (z.B. E-Mail-Kommunikation) führen zu immer schnelleren und radikaleren Veränderungen. "Business-as-usual" bildet heute im täglichen Geschäftsablauf die Ausnahme. Mitarbeiter werden ständig mit der Einführung neuer Software, der Umstellung von Prozessen oder neuen Strategien konfrontiert [4], [5], [1].

Wer den Unternehmenserfolg sichern möchte, darf nicht alleine in Visionen, Missionen und Veränderungskonzepten denken, sondern muss auch "in die flankierende Strategieimplementierung und damit in Prozesse des Wandels investieren" [4].

Richter (1994) hat die in der Literatur auftauchenden Vorgehensweisen für ein erfolgreiches Change Management auf fünf Wesensmerkmale reduziert [5]:
  • Ganzheitlicher Ansatz: Change Management ist eine Top-Management- Aufgabe
  • Doppelte Zielsetzung: Einerseits die Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens und andererseits die Verbesserung der Qualität des Arbeitslebens für die tätigen Menschen
  • Beteiligung der Betroffenen: Analyse, Planung, Durchführung und Auswertung der Organisationsentwicklung basierend auf der Grundlage offener Information und aktiver Mitwirkung der Betroffenen
  • Prozessorientiertes Vorgehen: Ständiger Ist-Soll-Vergleich, um auftretende Widerstände analysieren und beheben zu können
  • Ausführliche Diagnose: Umfassende Analysen als Ausgangspunkt von Veränderungsprojekten

Change Management und Akzeptanz

Berner [2008] unterscheidet verschiedene Veränderungsvorhaben anhand von zwei Dimensionen. Sein Modell geht von zwei Achsen aus: Einerseits von der Bedrohlichkeit, Angst und Unruhe sowie andererseits von dem Bedarf einer Einstellungs- und Verhaltensänderung, den eine Veränderung bei den Betroffenen hervorrufen kann.



Einordnung unterschiedlicher Veränderungsvorhaben


Die Systemnutzung hängt stark von der Akzeptanz der betroffenen Mitarbeiter ab. Mitarbeiter haben vor Einführung von neuen IT-Systemen Bedenken: Entweder befürchten sie den Verlust ihres Arbeitsplatzes, eine Reduzierung der Arbeitsinhalte oder eine qualitative Verschlechterung der Situation am Arbeitsplatz [7]. Diesen Bedenken muss das Unternehmen entgegen wirken, indem es versucht die Gesamtakzeptanz der Mitarbeiter zu beeinflussen. Daher ist oberstes Ziel bei der Durchführung von Projekten zur Einführung von IT-Systemen, der Einbezug von Mitarbeitern in die Projektplanung und Implementierung. Sie sind der kritische Faktor, der darüber entscheidet, ob das IT-System am Ende effektiv genutzt wird.

Es existiert eine Vielzahl an Akzeptanzmodellen, bei denen kritisch zu bemerken ist, dass nur eine nachträgliche Beurteilung des neuen IT-Systems stattfindet. Die Phasen der Entwicklung und der Einführung des neuen Systems werden komplett vernachlässigt [8], [9], [10], [11], [12]. Gerade aber diese Phasen spielen für die spätere Nutzerakzeptanz eine entscheidende Rolle. In diesem Stadium können noch kostengünstige Systemmodifikationen vorgenommen werden, bevor die Lösung eingeführt wird [13].

Aus diesem Grund stellt Kollmann ein dynamisches Modell vor, das eine neue Vorgehensweise beschreibt. Mit seinem Ansatz ist es möglich, schon vor der Systemeinführung Rückschlüsse auf die Akzeptanz der Nutzer zu ziehen und Fehlentwicklungen durch Systemanpassungen zu vermeiden [13].

Sein Modell geht von drei Phasen des Akzeptanzbildungsprozesses aus:
  1. Einstellungsphase
  2. Handlungsphase
  3. Nutzungsphase
In der Einstellungsphase erfährt der potenzielle Nutzer zum ersten Mal von dem neuen IT-System, ohne dass er sich aktiv um Informationen bemüht hat. Er macht sich gegebenenfalls Gedanken über eine eventuelle Nutzungsmöglichkeit und sucht aktiv nach Informationen. Anschließend findet eine Evaluation der Vor- und Nachteile statt. Es kommt zu einer abschließenden Bewertung. Diese kann sowohl positiv als auch negativ ausfallen. Das Resultat dieser Phase wird als Einstellungsakzeptanz bezeichnet.

Eine negative Bewertung kann zum Abbruch des Akzeptanzbildungsprozesses führen. Bei einer positiven Bewertung geht der potenzielle Nutzer in die nächste Phase, die Handlungsphase, über. Der Nutzer testet das IT-System und sammelt erste Erfahrungen. Sind seine Erwartungen an das System erfüllt, ist er bereit es bei täglichen Aufgaben einzusetzen. Anschließend muss die Einsatzbereitschaft (technische Voraussetzungen am Bestimmungsort) des IT-Systems hergestellt werden. Das Ergebnis dieser Phase ist die Handlungsakzeptanz.

Den Abschluss bildet die Nutzungsphase. Die Anwendungssituation wird definitiv spezifiziert und das IT-System problemorientiert eingesetzt. Das Ergebnis dieser Phase ist die Nutzungsakzeptanz.

Die kumulierte Akzeptanz der drei Phasen (Einstellungs-, Handlungs- und Nutzungsphase) bestimmt die Gesamtakzeptanz des Nutzers gegenüber dem IT-System.


Akzeptanz- und Change-Management-Konzept

Das Akzeptanzmodell von Kollmann ist der Ausgangspunkt für ein weiter entwickeltes Akzeptanz- und Change-Management-Konzept für die Einführung von IT-Systemen. Im ursprünglichen Modell wird der Akzeptanzprozess aus der Sicht eines Nutzers beschrieben und eine freiwillige Nutzungsebene unterstellt. Bei der Einführung von IT-Systemen gibt es eine Besonderheit in Unternehmen: Die Unternehmensführung entscheidet über die Einführung eines neuen Systems und nicht der eigentliche Endnutzer (Mitarbeiter).

Das Modell muss folglich um die Unternehmenssicht erweitert werden. Die Handlungsphase der Mitarbeiter bleibt unberücksichtigt, da ein Nutzungszwang besteht. Umgekehrt ist der Akzeptanzbildungsprozess aus Sicht der Unternehmensführung nach der Handlungsphase abgeschlossen, da sie das System nicht selbst nutzt, sondern die Mitarbeiter. Die Einstellungsphase der Unternehmensführung ist der Startpunkt des angepassten Akzeptanzbildungsprozesses.



Akzeptanz- und Change-Management-Konzept


Dem Start der Einstellungsphase können unterschiedliche Auslöser zugrunde liegen. Zum einen können externe Berater ein neues IT-System vorschlagen und zum anderen können Mitarbeiter proaktiv die Einführung befürworten. Fällt die Entscheidung für die Einführung eines Systems in der Handlungsphase, wird anschließend die Einsatzbereitschaft des Systems hergestellt. Der Akzeptanzprozess ist aus Sicht der Unternehmensführung abgeschlossen.

Anschließend treten die Mitarbeiter in den Akzeptanzprozess ein. Vor dem eigentlichen Systemstart werden die Mitarbeiter mithilfe von Change-Management-Instrumenten (Workshops, Schulungen oder Informationsveranstaltungen) auf das neue System vorbereitet. Hier werden Probleme des neuen Systems in Kooperation der Nutzer beseitigt.

Danach beginnt die eigentliche Nutzungsphase. Ziel ist es, die aufgezwungene Nutzung einer freiwilligen Nutzung anzunähern. Dem Mitarbeiter muss klar vermittelt werden, dass die neue Lösung gut ist, dass alle Beteiligten davon profitieren und dass sie das neue System durch Feedback beeinflussen können.

Der Akzeptanzbildungsprozess wird permanent durch Change-Management-Instrumente unterstützt. Change Management wirkt mit seinen Instrumenten und Methoden auf die Unternehmensführung, den eigentlichen Nutzer und auf das einzuführende System durch Modifikationen ein. Die Eigenschaften des neuen Systems wirken direkt auf den Akzeptanzprozess und beeinflussen die Einstellungsphase der Unternehmensführung, der Mitarbeiter sowie auf die eigentliche Nutzung. Jede einzelne Teilphase trägt dazu bei, Rückschlüsse auf eine Gesamtakzeptanz des IT-Systems zu ziehen. Diese ist obligatorisch für die erfolgreiche Einführung.


Literatur

[1] Doppler, Klaus und Lauterburg, Christoph. Change Management. Frankfurt : Campus- Verlag, 2005.
[2] Claßen, Martin und von Kyaw, Felicitas. Change Management - Studie 2008 - Business Transformation – Veränderungen erfolgreich gestalten. Offenbach: Capgemini Consulting, 2008.
[3] Oelsnitz, Dietrich von der. Marktorientierter Unternehmenswandel. Wiesbaden: Gabler, 1999.
[4] Reiß, Michael. Change Management. Stuttgart : Schäffer-Poeschel, 1997.
[5] Richter, Mark. Organisationsentwicklung. Basel : Haupt, 1994.
[6] Berner, Winfried. Change Guide. Umsetzungsberatung. [Online] 2008. [Zitat vom: 25. November 2008.]
[7] Reichwald, Ralf. Zur Notwendigkeit der Akzeptanzforschung bei der Entwicklung neuer Systeme der Bürotechnik. München : Hochschule der Bundeswehr, 1978.
[8] Filipp, Helmut. Akzeptanz von Netzdiensten und Netzanwendungen – Entwicklung eines Instruments zur permanenten Akzeptanzkontrolle. Sinsheim : s.n., 1996. Dissertation.
[9] Allerbeck, M. und Helmreich, R. Akzeptanz planen - aber wie? Office Management. 11 1984, S. 1080-1082.
[10] Schönecker, Horst. Kommunikatinstechniken und Bedienerakzeptanz. München : CW-Publishing, 1985.
[11] Hilbig, Winfried. Akzeptanzforschung neuer Bürotechnologien – Ergebnisse einer empirischen Fallstudie. Office Management. 1984, 4, S. 320-323.
[12] Wallau, Siegfried. Akzeptanz betrieblicher Informationssysteme - eine empirische Untersuchung. Tübingen : Arbeitsberichte des Lehrstuhls fuer Wirtschaftsinformatik der Universität Tübingen, 1990.
[13] Kollmann, Tobias. Akzeptanz innovativer Nutzungsgüter und -systeme. Wiesbaden : Gabler, 1998.
[14] Gattermeyer, Wolfgang. Change Management und Unternehmenserfolg. Wiesbaden : Gabler, 2000.



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12/2009, Carolin Löffler





Dipl.-Kffr. Carolin Löffler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II Universität Erlangen-Nürnberg.

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