Tötet die Wirtschaftskrise ERP?

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In diesem Interview beantwortet Dieter Große-Kreul Fragen rund um den Einfluss der Wirtschaftskrise auf den ERP-Markt. Als Agresso-Geschäftsführer ist er verantwortlich für alle Agresso Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist seit November 2005 für das Unternehmen tätig und zuständig für die Umsetzung der globalen Unternehmensstrategie in den deutschsprachigen Ländern.

Schadet die aktuelle Krise dem ERP-Markt?

Auch wenn es momentan so aussieht, als wäre für viele Unternehmen das Thema ERP nicht mehr so interessant: ERP ist wichtiger denn je. Entsprechende Projekte werden schließlich nicht ineffektiv, nur weil die Konjunktur schwächelt. Es geht momentan allerdings nicht mehr nur darum, einen Return on Investment zu erwirtschaften, sondern sich auch flexibel an den Wandel innerhalb von Unternehmen anzupassen. Und dieses Thema ist gerade in Phasen der Umwälzung, wie wir sie gerade erleben, wichtig und interessant.


Woran zeigt sich das innerhalb eines Unternehmens?

Das Management möchte immer schneller und analytischer informiert werden. Fehlende Fakten und Intransparenz bergen die Gefahr der Fehleinschätzung - mit teils katastrophalen Folgen. Deshalb hat sich auch das Bild des Controllers entscheidend gewandelt. Er entwickelt sich vom klassischen Zahlenlieferanten zum Co-Piloten im Führungscockpit. Das ist echte Herkulesaufgabe. Denn er muss sich nicht nur mit komplexen Unternehmensstrukturen, sondern vor allem auch mit den operativen Prozessen in dem sich wandelnden Umfeld aus Markt- und Kundenanforderungen auseinandersetzen. Darüber hinaus gehört in sein Aufgabengebiet die Beachtung der gesetzlichen und regulativen Vorgaben und – natürlich – die üblichen Unternehmens- und Geschäftskennzahlen permanent zu kontrollieren.


Welche Rolle spielt das ERP-System dabei?

Eine Lösung wie Agresso Business World versorgt das Management-Cockpit übersichtlich mit aggregierten Unternehmensinformationen. Durch aussagekräftige Reports und Analysen werden selbst hochkomplexe Prozesse verständlich. Auf diesen Grundlagen lässt sich ein Unternehmen präzise analysieren und steuern.


Nicht wenige Firmen sind mit ihren bestehenden ERP-Installationen unzufrieden. Woran liegt das?

Für viele Unternehmen ist das ERP-System in erster Linie ein Kostenfaktor aber nicht unbedingt das Mittel der Wahl, um die Performance und die finanzielle Steuerung des Unternehmens zu verbessern. Das liegt aber auch daran, dass es in dieser Hinsicht einige gebrannte Kinder gibt. Sie haben ERP-Implementierungen als langwierig und teuer erlebt, mit umfangreichen nachträglichen Anpassungen und hohen Support-Kosten. Heute werden etwa 80 Prozent der IT-Budgets für Betriebskosten ausgegeben, nur 20 Prozent fließen in die Innovation. Auf diese aber kommt es in den Unternehmen besonders an. Zudem sollte die IT an den Zielen des Unternehmens ausgerichtet sein und sich an die kontinuierlich verändernden Umweltbedingungen anpassen – und so den Wandel im Unternehmen reaktiv und proaktiv unterstützen.

Aber in den meisten Unternehmen gefährden Veränderungen im Geschäftsablauf das gesamte IT-Konstrukt und damit die Performance eines Unternehmens. Denn das Problem ist, dass das Zusammenspiel zwischen Business und IT nicht oder nur unzureichend stattfindet. Die Software sollte dabei ein Hilfsmittel sein, um solche Prozesse zu fördern und für das Management verständlich aufzubereiten.


Welchen Ansatz verfolgen Sie dabei?

Einer unserer wichtigsten Punkte ist die Post-Implementierungs-Agilität. Damit meinen wir die Fähigkeit der Software, offen für nachträgliche Veränderungen zu sein. Bei unseren Produkten können teilweise sogar die Mitarbeiter selbst Anpassungen vornehmen, die ihren Arbeitsabläufen und Bedürfnissen besser entsprechen. Wenn sich also nach der Implementierungsphase Änderungen ergeben, muss nicht ein Heer von Beratern bezahlt werden, sondern die Unternehmen können sich selber helfen.


Können Sie diese Aussage untermauern?

Das Technology Evaluation Center hat die Softwarearchitekturen führender ERP-Anbieter untersucht. Der unabhängige Vergleich zeigt, dass Agresso Business World-Anwender über 95 Prozent der gewünschten Modifikationen an ihrem ERP-System selbst vornehmen können. Im Gegensatz dazu müssen bei SAP- und Oracle-Systemen externe IT-Entwickler die Änderungen programmieren. Sowohl bei SAP als auch bei Oracle können Änderungen in fast allen Fällen nur auf Applikationsebene vorgenommen werden.


Das Analystenhaus IDC hat das Thema im vergangenen Jahr untersucht. Demnach gibt es bei den traditionellen Formen der ERP-Anwendung zu hohe versteckte Kosten. Warum haben die Anbieter aus diesem Bereich noch immer einen recht hohen Zulauf?

Hier spielt sicherlich eine Reihe von irrationalen Faktoren eine Rolle. Zunächst einmal erscheint es für den IT-Administrator eine sichere Wahl zu sein, sich diesen Mammut-Anbietern anzuvertrauen. Deshalb hat noch niemand seinen Job verloren, auch wenn vieles nicht klappt oder länger dauert. Die teuren Beraterstunden werden als lästiges Übel einfach akzeptiert. Zum anderen werden die berühmten Total Cost of Ownership oft unrealistisch kalkuliert. Zum Glück zeichnet sich allerdings derzeit ein Wandel ab: Immer mehr Unternehmen geben sich mit teuren One-size-fits-all-Modellen nicht mehr ab und wünschen flexiblere Lösungen.


Ist das die vielbeschworene Lösung in der Krise?

ERP ist sicherlich nicht alles im Unternehmen. Aber wer nicht lethargisch agiert, sondern seine Firma flexibel an neue Gegebenheiten anpasst, hat mit uns einen guten Partner und wird viele Schwierigkeiten gestärkt überwinden.


Danke für das Interview Herr Große-Kreul.

08/2009, Dietmar Spehr



Dietmar Spehr schreibt als freier Autor für eine Reihe von IT-Magazinen und Zeitungen. Themenschwerpunkte sind dabei u.a. die Bereiche ERP, Telekommunikation, Sicherheit, IT/AV-Konvergenz, Business Intelligence sowie Content- und Dokumenten-Management.


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