Marktrecherche: IT-Outsourcing

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Am Lehrstuhl für Wirtschaftinformatik und Electronic Government der Universität Potsdam wurde eine Marktrecherche zum Thema IT-Outsourcing durchgeführt. Dabei wurden vor allem Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum angesprochen. Die eingegangenen Antworten sind Basis dieser Auswertung.

Das Outsourcing gilt als strategische Unternehmensentscheidung und bezeichnet das Auslagern von Unternehmensaufgaben an Fremdunternehmen. Motive des Outsourcings liegen oft in Kosteneinsparungen und der Konzentration auf das Kerngeschäft. Das IT-Outsourcing stellt eine spezielle Form des Outsourcings dar. Im Rahmen dieser Marktuntersuchung wurden insgesamt 16 Outsourcing-Anbieter zu ihrem Dienstleistungsangebot befragt. Sieben Anbieter bieten ausschließlich IT-Outsourcing an. Dies umfasst im Allgemeinen Elemente der Wertschöpfungskette der gesamten Informationstechnologie. Neben Softwarekomponenten oder Gesamtlösungen, können auch Hardwarekomponenten outgesourct werden. Drei Anbieter konzentrieren sich ausschließlich auf das Outsourcing von Geschäftsprozessen. Weiterhin bieten vier Anbieter der Recherche das Outsourcing der IT und Geschäftsprozesse an. Ein Teilnehmer der Recherche ist auf kundenspezifische Anwendungsentwicklung spezialisiert.

Weiterhin wurde in dieser Recherche auf Kunden der Outsourcing-Dienstleister eingegangen. Ein Anbieter hat sich ausschließlich auf große Konzerne spezialisiert. Für drei Anbieter gehören Großunternehmen und ebenfalls Konzerne zu Ihrem Kundestamm. Kunden aus allen Größenordnungen können sechs Anbieter aufweisen. Bei fünf weiteren Outsourcing-Anbietern kommen die Kunden aus dem Mittelstand, Großunternehmen und aus Konzernen.


Gründe für das IT Outsourcing

Abb. 1: Gründe für das IT-Outsourcing
Aus welchen Beweggründen lagern Unternehmen ihre Gesamte oder einzelne Bestandteile ihrer IT aus? Aus Sicht der Anbieter stellt die Kostenersparnis bei ca. 30 % der Projekte den Grund für die Auslagerung dar. Durch die Abgabe der IT an Spezialisten hat das Unternehmen die Möglichkeit, sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren sowie die mangelnde Qualifikation der eigenen Mitarbeiter auszugleichen. Der Vorteil für die Unternehmen bei der Auslagerung von einzelnen IT-Bestandteilen liegt vor allem darin, dass Serviceanbieter unter Nutzung ihrer Größenvorteile Systeme etc. zu Pauschalpreisen inklusive Wartung anbieten können. Im eigenen Hause wären solche Leistungen schwer zu realisieren [1]. Des Weiteren bietet die Auslagerung den Vorteil, dass die IT stets aktualisiert und dadurch ein hoher Standard gesichert wird.


Vorgehensweise eines Outsourcing-Projektes

Die einzelnen Anbieter weisen ähnliche Vorgehensweisen bei einem IT-Outsoursing-Projekt auf. Oft steht die gemeinsame Analyse des Outsourcing-Projekts mit dem Kunden am Projektanfang. Im Anschluss erfolgt die Definition der möglichen Teilbereiche für eine Auslagerung. Neben der Abstimmung eines konkreten Umsetzungsplans zum Outsourcing der definierten Geschäftsprozesse oder Softwarekomponenten erfolgt die Festlegung der konkreten Projektrahmenbedingungen (z.B. SLA’s) und Erfolgsfaktoren. Im letzten Schritt erfolgt die Umsetzung. Weiterhin werden oft Zusatzleistungen angeboten. Auf Anwenderseite können dies Schulungen, Helpdesk mit First, Second und Third Level Support oder Coaching sein. Zum Systembetrieb werdenZusatzleistungen wie, z.B. Netzwerkadministration, Netzwerksecurity, Terminalserverdienste, Hosting Exchange und Internetdienste zur Verfügung gestellt.


Auftretende Risiken

Das hohe Risiko beim Outsourcing zeigt sich vor allem in der hohen Abhängigkeit zum Dienstleiter. Beispielsweise könnte eine mögliche Insolvenz gravierende Auswirkungen zur Folge haben. Weiterhin stellt auch der Know-How-Verlust ein hohes Risiko dar und verstärkt die Abhängigkeit zum Dienstleister. Zur Abschwächung der Risiken führen 14 von 16 Anbietern vor der Umsetzung eines Outsourcing-Projektes eine Machbarkeitsprüfung durch. Neben einfachen Schätzmethoden werden auch umfangreiche Kosten- und Nutzenanalyse unter dem Fokus des ROI durchgeführt.


Totales / selektives Outsourcing

Totales Outsourcing der IT ist definiert als eine umfassende Dienstleistung. Dabei übernimmt der Dienstleister unter der Berücksichtigung der unternehmerischen Zielsetzung die Gesamtverantwortung für alle IT Leistungen inklusive Human Ressource Management, Einkauf, Finanzierung, Wartung und Entsorgung. [2]

Für den Einsatz des selektiven Outsourcings existieren vielfältige Anwendungsbereiche. Diese reichen vom Management der Hardware, Server Netzwerken bis hin zum Aufbau des Intranets. Zu der Frage nach der Art der Dienstleistung, gaben neun der befragten Dienstleister an, sich auf selektives Outsourcing zu konzentrieren. Nur ein Dienstleister legt den Fokus auf das totale Outsourcing. Der Großteil bietet je nach Anforderung und spezifischen Gegebenheiten des Projektes einen Mix aus totalen und selektiven Outsourcing an. Anhand der Antwortstruktur lässt sich erkennen, dass die Probleme des totalen Outsourcing, die Möglichkeit des Verlustes der Kernkompetenzen sowie die Abhängigkeit von einem einzelnen Dienstleister dazu führen, dass der Trend zur gezielten strategischen Auslagerung von einzelnen IT-Bestandteilen führt.


Probleme

Der häufigste Grund für das Scheitern von Projekten liegt nach Ansicht der Dienstleister nicht im Unternehmen selbst.
Abb. 2: Probleme bei IT-Outsourcing-Projekten

Ungenügende Beratung, unvollständige Analyse der für das Outsourcing relevanten Geschäftsprozesse und fehlende Service Level Agreements sind zu 50% die Probleme, die aus Sicht der Anbieter zum Scheitern von IT-Outsourcing-Projekten führen. Mangelnde Kommunikation sowie die unklare Zieldefinition sind die häufigsten Probleme die auf Seite der Unternehmen auftreten. Unzureichende Absprachen zwischen Entscheidungsträgern und Anwendern führt dazu, dass falsche Erwartungshaltungen über das Projekt entstehen. Dies kann zu Interessenskonflikten innerhalb des Unternehmens führen und den Erfolg des Projektes gefährden.


Ausblick

Aus Sicht der Dienstleister wird das IT-Outsourcing in Zukunft weiter zunehmen. Unternehmen müssen sich verstärkt auf Ihre Kernkompetenzen konzentrieren. um sich am Markt behaupten zu können. Um den Anforderungen der Globalisierung gerecht zu werden müssen Unternehmen in der Lage sein, flexibel auf neue Anforderungen der Märkte zu reagieren. Die immer kürzeren Produktlebenszyklen bei IT-Produkten verstärken diese Entwicklung, da Unternehmen selbständig nicht in der Lage sind mit eigenen Entwicklungen und Ressourcen gleich bleibende Qualität, Flexibilität und Sicherheit bei gleich bleibenden Kosten zu realisieren.

Die Tendenz entwickelt sich in Richtung des selektiven Outsourcings oder zur Auslagerung von einzelnen Aufgaben (Outtasking), da die komplette Auslagerung an einen Dienstleister mit zu großen Risiken verbunden ist.


Literatur:

[1] M. Eben und Dr. C. Müller: partielles Outsourcing von IT-Dienstleistungen. In: Outsourcing- eine strategische Allianz besonderen Typs. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2000

[2] Jens Bohlen: partielles und komplettes IT Outsourcing. In: IT Outsourcing in der Praxis-Strategien, Projektmanagement, Wirtschaftlichkeit. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2004

Die vollständigen Ergebnisse der Recherche stehen als tabellarische Marktübersicht in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ERP-Management zur Verfügung.


Die Autoren:

M. Sc. Wi.-Inform. Sandy Eggert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftinformatik und Electronic Government der Universität Potsdam. Ihr Forschungsbereich ist die Wandlungsfähigkeit von Enterprise Content Management-Lösungen.
Corinna Fohrholz ist studentische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftinformatik und Electronic Government der Universität Potsdam.

12/2007




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